Vignetten mit vollplastischen Figuren

Date: 15. April 2015 Posted by: owerner In: Zinnfiguren

Einleitung:
Viele Sammler vollplastischer Figuren haben natürlich nicht das große Diorama mit Hunderten von Figuren im Sinn, sondern versuchen, Einzelfiguren oder kleinere Gruppen möglichst lebendig in Szene zu setzen. Diese kleinen Figurengruppen, die mit einem modellierten Untergrund, Vegetation und manchmal auch Gebäudeteilen auf einem Sockel arrangiert werden, werden in der Literatur „Vignetten“ genannt.

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Auswahl der Figuren:
Eine Vielzahl vollplastischer Figuren stellen Personen in einer mehr oder weniger steifen stehenden Haltung dar:
Solche Figuren lassen sich natürlich nicht gruppieren und sind dafür wohl auch nicht vorgesehen.
Für die Gestaltung von Vignetten ist das 54 mm Sammlermaß (entspricht einem Maßstab von etwa 1:32 bzw. 1:35 oder Spur I) am besten geeignet, da mit einem Preis von 20-35 DM pro Fußer die Figuren noch relativ erschwinglich sind und es auch eine Anzahl von hervorragend modellierten lebendigen Figuren gibt. Wegen der stark variierenden Maße (ca. 54 mm-62 mm) hat man es nicht leicht, sich selber passende Figurengruppen zusammenzustellen.
Daher wird man wohl gerne auf die Angebote komplett zusammengestellter Figurengruppen zurückgreifen.
Für die friederizianische Zeit liegt beispielsweise eine Vielzahl hervorragender militärischer Kunstwerke von Menzel, Knötel oder anderen Künstlern vor, die viele Hersteller zu sehr lebendig modellierten Figuren umgesetzt haben.
Sehr schöne Figuren findet man bei der Fa. Ulrich Puchala in Blaustein, die neben einer Vielzahl von Einzelfiguren auch einige sehr empfehlenswerte Figurengruppen in seinem Programm führt.

Das ausgewählte Beispiel:
Die Figurengruppe besteht aus drei Bausätzen:
• Der Infantrie-Patronenkarre, die mit zwei Pferden ausgeliefert wird,
• einem Trainknecht als Aufsitzer,
• einem Husaren des Freicorps Kleist.
Das Verdeck der Patronenkarre läßt sich abnehmen und gewährt den Blick auf die innen liegende Kastenkonstruktion mit einigen Munitionsbeuteln. Der Wagen wird von zwei ausdrucksstark modellierten Kaltblütern gezogen.

Trainknecht

Trainknecht

 

Husar Freikorps von Kleist

Husar Freikorps von Kleist

 

Die Vignette

Die Vignette

Die Gestaltung des Sockels und des Untergrundes:

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Skizze der Vignette

Als Grundplatte fand 18 mm starkes Buchenleimholz mit den Maßen 140mm x 290 mm Verwendung. Die Kanten wurden mit einem Halbrund-Fräskopf in einer Kleinbohrmaschine bearbeitet Abschließend erhielt das Holz eine mahaghoni-braune Lackierung.
Die Landschaft stellt einen Feldweg dar, der in Fahrtrichtung gesehen – von der hinteren rechten zur vorderen linken Ecke der Grundplatte verläuft.

Feldwege entstehen dadurch, daß Fahrzeuge immer wieder die gleiche Strecke auf einem ansonsten unbefestigten Terrain befahren. Auf diese Weise wird im Laufe der Zeit eine mehr oder weniger tiefe Fahrrinne durch Verdichtung des Erdreiches ausgefahren, deren Niveau etwas unterhalb der ursprünglichen Grasnabe liegt. Die Verdichtung ist natürlich im Bereich der Radspur am größten, während zwischen den Rädern eine leichte Erhöhung mit unregelmäßigem Grasbewuchs zu beobachten ist.

Feldweg

Feldweg

Die Erhöhungen in der linken unteren Ecke und der rechten oberen Ecke der Grundplatte wurden zunächst aus Wellpappe vormodelliert. Dabei fand die in Supermärkten übliche Kartonage Verwendung. Auf die Grundplatte wurden mehrere Lagen Pappe geklebt. Jede Lage repräsentiert eine Höhenlinie. Einen sanften Anstieg des „Geländes“ erhält man dadurch, daß man die Ränder der Papplagen etwas zusammendrückt.
Über diese Unterkonstruktion wurde mit einer Modelliermasse aus dem Modellbahnbereich das „Erdreich“ aufgetragen. Die Spurrinnen wurden mit einem Borstenpinsel in die noch feuchte Masse eingearbeitet.
Nach dem Aushärten wurden die Grasflächen mit Fasermaterial „Moorwiese“ der Fa. Noch beflockt. Der Baum ist ein Modell für die Spur H0 und hatte wegen seiner Größe auch einen entsprechenden Preis.

 

Gestaltung des Untergrundes im Querschnitt

Gestaltung des Untergrundes im Querschnitt

Weitere Anregungen zur Gestaltung von Vignetten
Es gibt zunehmend mehr Material zur Landschaftsgestaltung im Handel, der Maßstab unserer 54mm Figuren ist 1:35- oder besser noch 1:32. Dieser Maßstab entspricht etwa der Spur I, für die Firma Heki und Woodland (über Fa. Noch zu beziehen) Geländebauzubehör führen. Sehr gutes Material findet man bei der Firma Mininatur.
Um das Angebot zu ergänzen, oder um Kosten zu sparen, wird der Sammler improvisieren. Einige gute Anregungen finden sich in den Werken der Literaturliste.
Eine erschöpfende Behandlung dieses Themas ist bestimmt einen eigenen Artikel wert – daher sollen hier nur einige kurze Anleitungen gegeben werden:
Bäume lassen sich relativ realistisch mit Hilfe von Wurzelstücken oder z.B. Ästen der Korkenzieherweide und Islandmoos herstellen.
Eine weitere, anspruchsvollere Möglichkeit ist die Herstellung von Bäumen nach Art der Edelsteinbäume, die vor einigen Jahren jeden Hobby-Basar zierten. Hier werden Drahtstücke verdrillt, um einzelne Fasern zu Ästen und Wurzeln zusammen zu biegen. Allerdings sollte man den Stamm mit Epoxyd-Kit umhüllen und die Borke ausmodellieren, um einen realistischen Eindruck zu erhalten. Das Blattwerk kann wiederum mit Islandmoos oder einem passenden Beflockungsmaterial hergestellt werden.
S. Paine empfiehlt in seinem Buch auch die Verwendung von Plastik-Gewächsen für Aquarien. Ich habe bei meinen Nachforschungen bisher allerdings noch kein geeignetes Material gefunden.
Niedriges Buschwerk läßt sich aus entdrilltem Sisal-Tau bzw. Hanf herstellen (vgl. Bild 1)

Literatur:
Brock/Krannich, Dioramenbau, edition krannich
Sheperd Paine, Building and painting Scale Figures, Kalmbach Books
Vic Smeed, The Encyclopedia Of Military Modelling, Chancellor Press
Photos: Olaf Werner

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